SUN RA: DO THE IMPOSSIBLE
Es war einmal ein Außerirdischer, der – entsandt vom Saturn – auf der Erde Schicksal des Planeten und der Menschheit verändern sollte. So erklärte uns Sun Ra seine eigene Herkunft. Das Leben des visionären Jazzmusikers war eine Kunstperformance für sich, in der er sich selbst vervielfältigte, als Dichter, Philosoph, Ägyptologe, Kosmologe und natürlich Bandleader. Mit seinem sich ständig wandelnden Arkestra-Orchester produzierte er mehr als 200 Alben, die die Grenzen des Free Jazz erweiterten und mystische Ästhetik, Philosophie und Wissenschaft in einer bahnbrechenden afrofuturistischen Vision verbanden.
Regisseurin Christine Turner nimmt uns mit auf eine intergalaktische und metaphysische Reise durch Sun Ras vielfältige Facetten – anhand von Erinnerungen treuer Arkestra-Mitglieder, aufschlussreicher Musikforscher sowie unvergesslicher Film- und Konzertmitschnitte. Das Ergebnis ist ein anregendes Porträt eines Künstlers, dessen kühne Vision, jenseitige Vorstellungskraft und kompromissloses Talent nicht nur den Sound des Jazz beeinflusste, sondern auch afroamerikanische Diskurse und die Kulturlandschaft des 20. Jahrhunderts und darüber hinaus.
USA 2025, OmeU, 84 Min., Regie: Christine Turner
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MARSHALL ALLEN, 99, ASTRONAUT
Marshall Allen ist der 101-jährige Bandleader des „Sun Ra Arkestra“ und steht damit wie kein zweiter für die Fortführung von Sun Ras Visionen und Musik.
Ari Benjamin Meyers komponierte für Allen zwei Partituren und filmt, wie dieser darauf mit seinem Saxophon reagiert. Wie improvisiert ein Musiker mit fast hundert Jahren, der Erinnerungen verliert, sie musikalisch wiederfindet und mit ihnen weiterarbeitet? Wie werden Fehler und Zufälle – ganz im Spirit des Jazz – produktiv?
Im zweiten Teil des Films spielt Allen auf seinem Electronic Valve Instrument zu Projektionen im Planetarium und so entfaltet sich die Ebene des Afrofuturismus, den er, mit Sun Ras politischen und kosmologischen Visionen, ins nächste Jahrtausend geführt hat.
Meyers interessiert sich in seinem Kurzfilm nicht für ein Musikerportrait, sondern für Musik als Idee und sozialen Prozess.
Indien, Deutschland, USA 2025, 18 Min., Regie: Ari Benjamin Meyers
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Im Paris der 1950er Jahre findet der vom Alkohol gezeichnete Saxophon-Veteran Dale Turner, gespielt von der Jazz-Legende Dexter Gordon, durch die Freundschaft mit einem begeisterten Jazzfan neuen Halt, Würde und Zuversicht. Ursprünglich als Hommage an den Saxophonisten Lester Young gedacht, basiert der Film auf der Freundschaft zwischen Bud Powell und Francis Paudras und feiert die vielen afroamerikanischen Jazzmusiker*innen, die im Frankreich der 1940er bis 1960er Jahre die ihnen in den USA verwehrte Anerkennung erhielten.
Die filmische Umsetzung der Pariser Jazzclubs der 1950er Jahre ist auch deshalb so lebendig und nahbar, weil zahlreiche Musiker*innen, wie Wayne Shorter oder John McLaughlin, die fiktionalisierte Version ihrer eigenen Welt spielen und der Oscar-prämierte Soundtrack von Herbie Hancock so meisterhaft an die Klangwelt des Bebops und Hard Bops anknüpft. Eine der authentischsten filmischen Annäherungen an die Geschichte und Kultur des Jazz und für viele der beste Jazzfilm aller Zeiten.
USA/Frankreich 1986, OmU, 133 Min., Regie: Bertrand Tavernier. Mit: Dexter Gordon, François Cluzet, Gabrielle Haker. Musik: Herbie Hancock
Kommunales Kino (KoKi)
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